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20210415-Neue-Medikamentengebuehr_New-medication-fee

Seit dem 15.04.2021 erhebt die Buschklinik von ihren Patient:innen erstmals eine – pauschale – Gebühr für Medikamente in Höhe von (umgerechnet) ca. 1,65 Euro. Bis dahin waren – seit der Eröffnung der Klinik im Jahr 1991 – Medikamente immer kostenlos ausgegeben worden. Anhaltend hohe Patient:innenzahlen in den letzten Jahren (mehr als 30.000 Patient:innen pro Jahr) sind einer der Gründe für diese Änderung.

Auch aus einem weiteren Grund hält die Projekthilfe die Einführung einer Medikamentengebühr für sinnvoll: “Entwicklungszusammenarbeit heißt, die wirtschaftliche Basis von Projekten auf eigene Füße zu stellen”, sagt Matthias Ketteler, Vorstand der Projekthilfe Gambia e.V. “Die Beteiligung der Patientinnen und Patienten an laufenden Kosten ist ein notwendiger Schritt und verringert die Abhängigkeiten von ausländischen Hilfsgeldern.”

In persönlichen Gesprächen und über eine lokale Radiostation waren die Patient:innen der Buschklinik in den letzten Wochen über die Einführung der pauschalen Medikamentengebühr informiert worden. Die Gebühr wurde von den Patient:innen positiv aufgenommen. In den umliegenden staatlichen Gesundheitseinrichtungen sind kaum oder gar keine Medikamente vorhanden, so dass Patien:innen sich ihre Medikamente in – meist – privaten Apotheken zu erhöhten Preisen selber kaufen müssen.

“Wir garantieren, dass in der Buschklinik auch zukünftig immer ausreichend Medikamente zur Verfügung stehen”, sagt Matthias Ketteler. Gerade erst hat die Projekthilfe für ca. 18.000 Euro Medikamente eingekauft, um die Medikamentenvorräte in der Buschklinik wieder aufzufüllen.

Im Zuge der Einführung der Medikamentengebühr wurden auch die Registrierungs-/Behandlungsgebühr für Kinder zwischen fünf und 15 Jahren leicht angehoben. Die Gebühr beträgt jetzt (umgerechnet) 0,50 Euro statt wie bisher 0,40 Euro. Kinder unter fünf Jahren zahlen – wie bisher – 0,25 Euro, Erwachsene – wie bisher – 0,50 Euro

2020-Verteilung Masken-NBR-Health Center

Die Projekthilfe Gambia hat 23.000 waschbare Mund-Nasen-Masken aus Baumwolle an 51 Gesundheitseinrichtungen in Gambia verteilt. Im Mai hat unsere Partnerorganisation Project Aid The Gambia insgesamt 8.000 Masken in der Provinz “Central River Region” (CRR) an 22 Health Center und kleinere Gesundheitsstationen sowie an das Krankenhaus in Bansang übergeben. Zusätzlich haben die Einrichtungen Info-Blätter mit Informationen zu richtigem Gebrauch und Reinigung der Masken erhalten. Mitte Juli gingen 4.000 an das größte Krankenhaus Gambias, das Edward Francis Small Teaching Hospital (EFSTH) in Banjul sowie weitere 11.000 Masken an zwei Krankenhäuser (Essau District Hospital und Farafenni Hospital), 12 Health Center und 13 Community Clinics in der Provinz “North Bank Region” (NBR).

Die Masken sollen sicherstellen, dass das Personal und jeder Patient und jede Patientin während des Besuchs in den Einrichtungen eine Maske erhält. Patienten geben die Masken anschließend zurück. Die Masken werden nach einer Reinigung mit heißem Wasser und Waschmittel erneut ausgegeben. Eine schriftliche Anleitung erklärt das Verfahren, das die Projekthilfe bereits seit Anfang April in der Buschklinik in Jahaly anwendet.

Die Masken für die “North Bank Region” wurden am 15.07.2020 im Health Center Buniadu im Rahmen einer Pressekonferenz an die regionalen Gesundheitsbehörden übergeben und anschließend von Project Aid The Gambia persönlich an die Gesundheitseinrichtungen ausgeliefert. Zu der Pressekonferenz waren drei Zeitungen und zwei TV-Sender nach Buniadu gekommen. Die Berichte der TV-Sender sind am Ende dieser Seite verlinkt. Die Presseerklärung zur Übergabe der Masken finden Sie| hier | (in englischer Sprache)

Insgesamt hat die Projekthilfe seit April in Gambia 32.300 Masken für ca. 0,50 €/Stück produzieren lassen, 31.800 davon wurden ausgegeben. Die Produktion weiterer Masken wurde bereits in Auftrag gegeben. Die Spendengelder, die wir im April/Mai für die Masken erhalten haben, reichen für insgesamt ca. 47.000 Masken.

Gambia verzeichnet in diesen Tagen den befürchteten Anstieg an COVID-19-Infektionen. Mit Stand vom 20.07.2020 wurden insgesamt 112 Infektionen offiziell registriert. Davon sind 47 Fälle aktiv, 57 Patienten sind genesen. Vier Patienten sind verstorben. Ein Patient ist in den Senegal zurückgekehrt, drei Patienten haben sich abgesetzt. 668 Personen befinden sich in Quarantäne. Insgesamt 4.147 Tests wurden durchgeführt.

StarTV-The Gambia - 16.07.2020

QTV Gambia - 17.07.2020

Container-Gambia-Beatmungsgeräte-Corona-Ketteler

Die Projekthilfe Gambia hat heute von Essen aus einen Hilfscontainer mit medizinischer Ausrüstung nach Gambia auf den Weg gebracht. Der Container wurde mit 36 Beatmungsgeräten für den Einsatz gegen COVID-19 und 18 Pflegebetten beladen. Die gespendete Ausrüstung wird an das Gesundheitsministerium in Gambia weitergegeben.

Die 36 Beatmungsgeräte sind Spenden der Firmen Börgel in Limburg an der Lahn und Löwenstein Medical aus Köln. Die 18 Klinikbetten sind eine Spende der Ruhrlandklinik – Universitätsklinikum Essen. Zusätzlich verladen wurde weiteres medizinisches Zubehör für die Beatmungsgeräte, bereitgestellt von der Projekthilfe Gambia.

Alle Gerätschaften sind gebraucht, aber in einem guten und funktionsfähigen Zustand. Die Beatmungsgeräte dienen der Vorbereitung des westafrikanischen Landes auf die erwartete Zunahme von schwer-erkrankten COVID-19-Patienten. Die Beatmungsgeräte haben einen Neuwert von ca. 200.000 Euro.

Zwar gibt es in Gambia erst 42 offiziell bestätigte Corona-Fälle (Stand: 23.06.2020), wovon 14 Fälle aktiv sind. 26 Patienten sind genesen, 2 Patienten sind verstorben. Das Land mit 2,3 Millionen Einwohnern verfügt zurzeit allerdings nur über 20 Beatmungsgeräte und acht intensivmedizinische Betten für COVID-19-Patienten.

„Unsere Lieferung von Beatmungsgeräten wird die Ausstattung des gambischen Gesundheitssystems erheblich verbessern“, sagt Matthias Ketteler, Gründer und Vorstandsmitglied der Projekthilfe Gambia. „Noch steigt die Zahl der Corona-Infektionen in Gambia langsam, aber die Dunkelziffer ist hoch, weil es nur unzureichende Testmöglichkeiten gibt.“ Gesundheitsexperten erwarten einen möglicherweise nicht kontrollierbaren Corona-Ausbruch in Afrika für den Sommer. „Diese verbleibende Zeit wollen wir nutzen, um dabei zu helfen, das marode Gesundheitssystem in Gambia besser aufzustellen.“

Zwei der Beatmungsgeräte sollen an die beste private Klinik in Gambia ausgeliefert werden. Im Gegenzug hat sich diese Klinik bereiterklärt, Personal der staatlichen Kliniken in die Bedienung der Geräte einzuweisen, berichtet Matthias Ketteler.

Die Fa. Löwenstein Medical hatte in den letzten Tagen mit Hochdruck daran gearbeitet, so viele gebrauchte Beatmungsgeräte wie möglich aus verschiedenen Standorten zur Verfügung zu stellen. „Wir freuen uns, dass unsere Geräte einen kleinen Beitrag zur Hilfe vor Ort leisten können“, sagt Timo Löwenstein von der Löwenstein Medical GmbH.

Von der Firma Börgel war Außendienstmitarbeiter Jörk Deimann zur Beladung des Containers nach Essen gekommen. Er engagiert sich schon seit Jahren als aktives Mitglied in der Projekthilfe Gambia e.V. „Ich habe mich bereits mehrfach in Gambia persönlich davon überzeugt, dass Spendengelder und gespendete medizinische Ausrüstung ihr Ziel wirklich erreichen“, sagt Jörk Deimann. „Dass meine Firma sich an dieser Aktion beteiligt, finde ich fantastisch und sehr nachahmenswert.“

Heiko Hannemann, Geschäftsführer Börgel GmbH: „Wir freuen uns an dieser Hilfsaktion mitgewirkt zu haben. Die Beatmungsgeräte können dort noch gute Dienste leisten. Allerdings hoffen wir, dass sie nie zum Einsatz kommen müssen.“

Mitarbeiter der Ruhrlandklinik hatten die Beatmungsgeräte aus Köln und Limburg in Empfang genommen, zusammen mit den Klinikbetten für den Versand vorbereitet und unter Mithilfe von Jörk Deimann und Matthias Ketteler in den Container verladen.

Die Ruhrlandklinik – Universitätsmedizin Essen hatte die Projekthilfe Gambia schon 2019 mit einer Spende von 21 gebrauchten Pflegebetten und weiterer medizinischer Ausrüstung unterstützt.

Der 20-Fuss-Container wird von Essen über den Hafen Rotterdam nach Gambia verschifft. Für Ende Juli ist die Ankunft des Containers in der gambischen Hauptstadt Banjul geplant.

Die Projekthilfe Gambia hat bereits erfolgreich eine Spendenaktion „Masken für Gambia“ durchgeführt und im April/Mai ca. 25.000 Euro an Spenden gesammelt. Inzwischen wurden von den Spendengeldern in Gambia schon über 30.000 waschbare Mund-Nasen-Masken aus Baumwolle hergestellt. Etwa 10.000 Masken wurden an die Buschklinik und umliegende staatliche Gesundheitsstationen verteilt.

Spendenaufruf-Masken-fuer-Gambia

Unsere Spendenaktion „Masken für Gambia“ war ein großer Erfolg. Nach dem Erscheinen unseres  Newsletters vom 04.04.2020 und dem Spendenaufruf „Ein Brief aus Gambia“ vom 20.04.2020 sind bis heute Spenden in Höhe von 21.778,00 Euro auf unserem Vereinskonto eingegangen. Über Facebook haben wir weitere 2.673,70 Euro an Spenden für die Aktion erhalten – insgesamt also 24.671,70 Euro.

Wir bedanken uns aus ganzem Herzen für die vielen kleinen und großen Spendenbeiträge. 20.000 Euro sind schon Ende April nach Gambia an Project Aid The Gambia überwiesen worden. Inzwischen wurden dort bereits 30.000 Masken produziert – und die Produktion läuft weiter…

Die ersten Masken wurden Anfang April ausgeliefert: 1.000 Stück an die Buschklinik und 500 Stück an das Health Center Buniadu, das wir im Auftrag der Riverboat Doctors International e.V. betreuen. In Jahaly und Buniadu erhalten die Patienten eine Maske, die sie nach ihrem Besuch wieder abgeben. Die Baumwollmasken werden dann über Nacht in heißem Wasser mit Waschmittel eingeweicht und am nächsten Tag ausgewaschen und getrocknet, bevor sie erneut ausgegeben werden. Die beiden Health Center waren die ersten und einzigen Gesundheitsstationen in Gambia, in denen überhaupt Masken für Mitarbeiter und Patienten vorhanden waren. Ein kurzes Video dazu können Sie auf Facebook sehen hier (bitte einfach klicken).

In Jahaly werden inzwischen auch persönliche Masken an Patienten und ihre Begleitung gegen eine kleine Gebühr (20 Dalasi, ca. 35 Cent) verkauft. Nach anfänglicher Zurückhaltung der Dorfbevölkerung haben wir inzwischen über 360 Masken an sie verkauft. Viele Menschen, gerade im ländlichen Gambia, glauben nicht an die Existenz des Virus. Woher sollen sie davon auch erfahren – ohne Zugang zu Zeitungen, Radio, TV oder Sozialen Medien? Mehrere tausend Masken haben wir an Firmen in der Küstenregion oder andere Hilfsorganisationen im Land verkauft, z.B. an das Kinderdorf Bottrop in Gambia. Das Krankenhaus von Serekunda, der größten Stadt Gambias, hat 400 Masken kostenlos von uns erhalten. In einigen Apotheken sind unsere Masken ebenfalls zu erwerben. Alle Erlöse fließen zu 100 Prozent in die Produktion weiterer Masken. Mit jeder Maske erhalten Käufer und Nutzer ein DIN-A5-Flugblatt, auf dem der hygienisch korrekte Gebrauch der Masken in Text und Bild erklärt wird. Von diesem Flugblatt haben wir mehrere zehntausend Exemplare drucken lassen.

Am Donnerstag (04.06.2020) haben wir endlich eine Liste bekommen mit 23 Health Centern und lokalen Gesundheitsstationen in der Central River Region rund um Jahaly, an die wir  Anfang dieser Woche insgesamt 8.000 Masken verteilt haben, jeweils 500 bzw. 250 Stück. Außerdem haben wir unseren Projekt-LKW kostenlos zur Verfügung gestellt, mit dem Freiwillige landesweit Reis, Zucker und Öl an Familien verteilt haben, die wegen des Lockdowns in Not geraten sind.

In Gambia hat es offiziell bislang 28 Corona-Fälle (Stand 10.06.) gegeben, fünf davon sind aktiv. 22 Patienten sind genesen, ein Patient ist verstorben. Es muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden, da nur unzureichende Testmöglichkeiten existieren. Nur knapp 2.000 Tests wurden bisher durchgeführt, 800 Kontakte verfolgt. 130 Verdachtsfälle sind in Quarantäne. Der Ausnahmezustand im Land wurde am 10. Juni erneut um 21 Tage verlängert. Die für die Bevölkerung lebensnotwendigen Märkte, aber auch Moscheen und Kirchen sind unter Auflagen wieder geöffnet. Ob unser Kindergarten vor Beginn der Sommerferien Mitte Juli noch einmal öffnen kann, wissen wir nicht. Das größte Problem ist aber, das „Social Distancing“ in Gambia nicht funktioniert. Die Regierung empfiehlt dringend das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit. Auf den großen Märkten und auf den Fähren beobachten wir allerdings, dass sich niemand daran hält.

Die Ausstattung des Gesundheitssystems ist schlecht: Für 2,3 Millionen Gambier stehen nur 20 Beatmungsgeräte und acht Intensivbetten zur Verfügung. Die Börgel GmbH in Limburg a. d. Lahn hat uns 12 gebrauchte Beatmungsgeräte für Gambia zur Verfügung gestellt. Anfragen bei weiteren Firmen laufen. Leider warten wir auch dazu seit Wochen auf eine dringend benötigte offizielle Anfrage der gambischen Regierung. Zusammen mit gespendeten Krankenhausbetten der Ruhrlandklinik/Essen sollen die Hilfsgüter Ende Juni nach Gambia verschifft werden. Für alle diese Spenden bedanken wir uns herzlich.

Am Freitag (12.06.) waren wir zu Gast bei “Star TV-The Gambia” in der Sendung “Talk to Malik Jones”. Projektkoordinator Ebrima Jobarteh und Dr. Eliezer Rodriguez berichten über unsere Projekte und unseren Beitrag im Kampf gegen die Verbreitung von Corona/COVID-19 in Gambia. Dr. Rodriguez unterstützt uns zurzeit als medizinischer Berater. Den Talk können Sie hier anschauen:

Hilfe die ankommt-2020

03.06.2020 Stadland Die Corona-Pandemie macht es der Regionalgruppe Nord der Projekthilfe Gambia e.V. unmöglich, die für Oktober 2020 geplante Spendentour nach Gambia durchzuführen. Der Hilfskonvoi wird um ein Jahr auf Oktober 2021 verschoben.

Die Spendentour 2020 ist abgesagt. Bei allem Verständnis, dass die Tour verschoben werden muss, sind die Tour-Teilnehmer sehr betroffen. Seit über einem Jahr laufen die Vorbereitungen, wurden Veranstaltungen organisiert. Auch die Mitsommernachts-Party auf der Weserfähre Sandtstedt im Juni 2020 musste abgesagt werden. Zwei Fahrzeuge – Mercedes Sprinter – hatten wir für die Tour 2020 bereits angeschafft. Die gebuchten Rückflüge wurden von der Fluggesellschaft storniert.
Bisher sind in Gambia lt. offiziellen Angaben 26 Menschen an Corona/Covid-19 erkrankt, 4 Fälle sind aktiv, 21 Patienten sind genesen, 1 Patient ist verstorben. Wegen der fehlenden Testmöglichkeiten wird die Zahl der Erkrankten sehr viel höher sein.
Die Gruppe hat beschlossen, die Tour im Oktober 2021 nachzuholen. Wir bedauern diese Entscheidung sehr. Weltweit bestimmt das Coronavirus den Alltag, und deshalb gab es keine andere Möglichkeit.
Die Nordwest-Zeitung NWZ berichtete schon am 23.04.2020 NWZ: Gambia – Corona-Krise stoppt auch den Autokonvoi
Spendenaufruf-Masken-fuer-Gambia

Jahaly/Gambia, am 19. April 2020

Liebe Freunde, liebe Unterstützer unsere Arbeit in Gambia,

im Zeichen der uns alle betreffenden Covid-19 Pandemie verschieben sich momentan bei fast jedem von uns die bisherigen Wertigkeiten des täglichen Lebens.

Ich bin seit sechs Monaten mit meiner Frau und der jüngsten Tochter in Gambia. Unser gambischer Partnerverein Project Aid The Gambia versucht, sich als Partner der gambischen Regierung im Kampf gegen das Virus einzubringen.

Aus der Entfernung gesehen scheint sich die Situation in Deutschland nach vielen menschlichen Tragödien langsam insofern zu verbessern, dass auch bei einer weiteren Ausbreitung genügend Krankenhausbetten und intensivmedizinische Einheiten für die schweren Verläufe zur Verfügung gestellt werden können. In Deutschland werden hunderttausende von Tests täglich durchgeführt, in Gambia seit Februar etwas mehr als 300.

Maßnahmen wie sie in Europa zur Eindämmung getroffen worden sind – von zuhause aus zu arbeiten oder zuhause zu bleiben – sind in Gambia kaum durchzusetzen. Die Menschen können ihre Arbeit in der Regel nicht von zu Hause aus erledigen. Eine soziale Absicherung existiert nicht. Die Auszahlung von Kurzarbeitergeld oder die Unterstützung von betroffenen Betrieben aus Steuermitteln sind aufgrund der miserablen Lage des Staatshaushaltes nicht möglich.

Die einfache Bevölkerung kann nicht in einem Supermarkt einkaufen. Sie besucht offene lokale Märkte zur Verfügung und muss sich in engen Gassen zwischen ineinander verschachtelten Verkaufsbuden bewegen. Die wenigsten Häuser in der Hauptstadtregion verfügen über einen eigenen Wasseranschluss. Je weiter man in die ländlichen Gebiete kommt, desto seltener gibt es in der Regel einen eigenen Anschluss. Die Menschen treffen sich an öffentlichen Wasserentnahmestellen: Brunnen, Zapfstellen, die von der Regierung oder von NGOs eingerichtet worden sind.

Wasser – ein ohnehin unschätzbares Gut in diesem Land aufgrund der Hitze und der Trockenheit – ist in Kombination mit Seife extrem wichtig im Einsatz gegen das Coronavirus.

Die meisten Menschen in Gambia sind Muslime und waschen sich fünfmal am Tag Hände und Füße, so wie es der Islam vorschreibt. Allerdings handelt es sich hier mehr um eine spirituelle Reinigung, bei der ausschließlich Wasser benutzt wird.

Bei der Bereitstellung von Wasser und Seife gibt es daher schon eine Reihe logistischer Schwierigkeiten. An den Einsatz von hochalkoholhaltigen Desinfektionsmitteln, die vor dem Virus schützen, ist gar nicht zu denken. Diese Mittel sind kaum vorhanden oder sehr teuer.

Bisher hat Gambia zehn offizielle Corona Patienten registriert. Ein Patient ist verstorben, zwei sind gesundet und sieben Patienten sind noch in Quarantäne.

Allerdings haben diese Zahlen wegen der wenigen durchgeführten Tests überhaupt keine Aussagekraft – sie werden nur als statistisches Beiwerk registriert. Wie weit eine tatsächliche „Durchseuchung“ der Bevölkerung bereits stattgefunden hat, ist nicht festzustellen. Insbesondere in den ländlichen Gebieten werden Verstorbene innerhalb weniger Stunden bestattet. Eine Überprüfung vorhandener Symptome findet in der Regel nicht statt.

Die Buschklinik in Jahaly und das uns anvertraute Gesundheitszentrum von Riverboat Doctors International e.V. in Buniadu sind landesweit die einzigen Gesundheitszentren, in denen Patienten das Gelände nur mit einer Maske betreten dürfen, die von uns zur Verfügung gestellt werden. Der Abstand von zwei Metern wird bei uns ebenfalls eingehalten. Darüber haben wir Euch mit unserem Newsletter vor wenigen Tagen bereits informiert. Den Newsletter noch einmal nachlesen können Sie hier.

Am 2. April habe ich den gambischen Gesundheitsminister Dr. Samateh über den Einsatz der Gesichtsmasken in Jahaly und Buniadu informiert und darum gebeten, eine landesweite Kampagne für das Tragen von Masken zu starten.

Seitdem wurde der Minister von mir immer wieder über neue wissenschaftliche Erkenntnisse sowie über den Umgang anderer Länder mit diesem Thema informiert. Der Minister hatte stets Interesse gezeigt.

Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag hat der amtierende Gesundheitsminister jetzt mitgeteilt, dass die Regierung Gambias nunmehr auch das Tragen von selbst gemachten Masken in der Öffentlichkeit empfiehlt.

In den nächsten Tagen werden wir daher gemeinsam mit anderen Gruppen und Organisationen, mit denen bereits eine Zusammenarbeit besteht, eine landesweite Kampagne starten. Es ist unser Ziel, dass das Tragen von Masken nicht nur empfohlen wird, sondern verpflichtend wird. Nur wenn alle in der Öffentlichkeit – und zusätzlich zur Beachtung von Hygienemaßnahmen – eine Maske tragen, wird das Risiko von Infektionen reduziert.

Anfang April haben wir bereits die ersten viertausend Masken aus Baumwolle produzieren lassen. Die Produktion einer Maske kostet fünfundzwanzig gambische Dalasi – umgerechnet etwa fünfzig Eurocent. Wir wollen eine sehr große Anzahl dieser Masken herstellen lassen und landesweit zum Kauf anbieten. Der Erlös fließt komplett in die Produktion weiterer Masken. Armen Familien wollen wir diese Masken unentgeltlich zur Verfügung stellen. Wir möchten die Öffentlichkeit mit einer Kampagne über Radio, TV, Social Media und mit Informationsplakaten sensibilisieren.

Ich bitte Euch alle, für diese Aktion Eure Taschen und Herzen zu öffnen. Wir benötigen Spenden für Startkapital und die laufenden Kosten. In Gambia gibt es ca. zwanzig Intensivbetten, sowie meiner Kenntnis nach 3 (in Worten: drei) Beatmungsgeräte. Sollte die Epidemie wie in bestimmten Bereichen Europas auch hier um sich greifen, droht vielen Menschen der Tod. Es werden Unruhen und Aufstände befürchtet.

Ich weiß, dass mein Appell zu einer gewissen Unzeit kommt. Ich spreche Euch alle jetzt an, in einer Zeit, in der ihr selber genügend Probleme habt. Ich weiß aber auch, dass Ihr seit vielen Jahren unsere Arbeit in Gambia unterstützt: Dies sicherlich auch, weil Euch die Menschen auf diesem Kontinent am Herzen liegen.

Wenn also jeder von Ihnen/Euch nach dem Lesen dieses Briefes eine Überweisung tätigt – online hier oder direkt auf unser Spendenkonto bei der

Genobank Essen

Kontonummer 200 900 900, BLZ 36060488

IBAN: DE57 3606 0488 0200 9009 00 – BIC: GENODEM1GBE

Verwendungszweck Masken

dann können wir in wenigen Tagen mit dieser Aktion starten.

Bitte verteilt diesen Brief auch an Eure Verwandte, Bekannte, Freunde. Jeder kleine Betrag hilft. Lasst es uns gemeinsam versuchen.

Ich grüße noch einmal alle ganz herzlich aus Gambia und hoffe, dass wir uns alle gesund in Deutschland oder in Gambia wiedersehen.

Matthias Ketteler

(Vorstand)

Weitere Informationen zum Thema Masken:

www.maskeauf.de (Deutsch)

www.maskonnow.com (Englisch)

Projekthilfe Gambia e.V.

Im Poth 26

45529 Hattingen

Tel.: 0234-94183-22

E-Mail: info@buschklinik.de

Vereinsregister: Amtsgericht Essen / Registernummer VR 30455

Homepage: www.buschklinik.de

Aktuelle Infos über die Arbeit der Projekthilfe: www.buschklinik.de/blog

Facebook: www.facebook.com/BuschklinikGambia

Videos: www.youtube.com/user/Buschklinik

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Hilfe die ankommt-2020

25.09.2019 Stadland   Die Planungen unserer Regionalgruppe Nord für die neue Spendentour nach Gambia im Jahr 2020 haben begonnen. Zwölf bis 15 Mitglieder der Projekthilfe  aus der Wesermarsch/Edewecht und Oldenburg wollen am 11.10.2020 mit vier bis fünf Kleinbussen nach Gambia starten. Die Kleinbusse werden in Gambia verkauft. Der Erlös geht an die Projekthilfe Gambia. Die Reisekosten wie Rückflug usw. tragen die Teilnehmer selbst.

Der humanitäre Konvoi 2020 ist bereits die sechste Fahrt dieser Art, an der Mitglieder der Regionalgruppe Nord beteiligt sind. Die geplante Tour im Januar 2017 musste kurz vor dem Start abgesagt werden, da wegen der politischen Umwälzungen in Gambia eine sichere Durchführung nicht gewährleistet war.

Die für die Tour 2017 gesammelten Spenden (25.000 Euro) wurden im Dezember 2017 in der Buschklinik in Jahaly an die Projekthilfe Gambia übergeben.

Route-Gambia-Spendentour-2020Unser “Kilometer-Ziel” ist es, für die zu fahrenden ca. 6.500 km je ZWEI Euro als Spende zu sammeln. Das ergibt 13.000 Euro!

Weiterhin organisieren wir Veranstaltungen, bei denen wir weitere Spenden erhalten.

Unser großes Ziel ist es, am Ende der Spendentour in Jahaly mindestens 20.000 Euro für unsere Projekte zu übergeben!

Im Jahr 2020 soll die Tourstrecke in Europa  erstmals nicht über Paris, Bordeaux und Madrid, sondern über Luxemburg, Lyon, Montpellier und Barcelona nach Algeciras führen.

Zur detaillierten Route geht es | hier |

 

 

 

Bisher erzielte Spenden (Stand: 22.02.2020): 7.800,00 €

erreichte Spendenkilometer          3.900 km

fehlende Spendenkilometer          2.600 km

 Zum aktuellen Spendenbarometer geht es | hier |

 

Tour-Kontakt:

Dieter Lieken, Stadland
Fon: 04732 / 921154
dieter.lieken(at)gmx.de

 

Workshop-Patricia-Ceesay_20.-22.2.19-03

Wir möchten berichten von einer außergewöhnlichen Fortbildung in unserem Kindergarten in Jahaly. Wir betreuen in diesem Schuljahr 300 Kinder zwischen vier und sechs Jahren. Unser Ziel ist frühkindliche Bildung auf höchstem Niveau, die die Kinder bestmöglich auf ihre weitere Schullaufbahn vorbereitet. Und das alles in einem Dorf auf dem Land, ganz hinten in Gambia, 270 Kilometer von der Küste entfernt. Wir arbeiten mit Lehrern und Erziehern, gelernten und ungelernten, die selbst keine mit Deutschland vergleichbare Ausbildung erfahren haben. Dazu kommen die völlige Abgeschiedenheit des Dorfes, kulturelle Zwänge und eine Gesellschaft im Wandel nach 22 Jahren Diktatur. Man muss sich vorstellen: vor etwa einem Jahr ist erstmals eine Stromleitung im Dorf angekommen, in diesem Monat endlich auch auf unserem Projektgelände. Ganz nebenbei: Im Dorf können sich nur die allerwenigsten einen Anschluss an dieses Stromnetz leisten. Trotz alledem versuchen die Lehrer und Erzieher, ihr Bestes zu geben. Es geht uns nicht um westliche oder afrikanische, nicht um christliche oder muslimische Erziehung, Es geht uns um die Kinder. Es geht uns um ihre Zukunft.

“Bildung ist die einzige Hoffnung”, sagt Patricia Ceesay. Sie betreibt und leitet eine private Montessori-Vor- und Grundschule in Brufut in der Küstenregion. Mindestens einmal im Jahr kommt sie nach Jahaly und macht ehrenamtlich Fortbildung mit unseren Lehrern und Erziehern. Über die drei Workshop-Tage vom 20.-22.02.2019 berichten unsere Freiwilligen Lena und Marieke, die zurzeit ein Praktikum im Jahaly-Madina Kindergarten machen:

Am Mittwoch ist Patricia Cessay in Jahaly angekommen. Da sie schon sehr früh am Morgen angekommen ist, schaut sie sich direkt die „morning classes“ an. Der erste Workshop findet schon in der großen Pause statt. Alle Lehrer versammeln sich dazu in einem Klassenraum.

Zuerst sagt Patricia, was ihr bei der Beobachtung des Unterrichts aufgefallen ist, und lobt die Lehrer: im Vergleich zum letzten Jahr werden die Kinder durch Aktivitäten mehr in den Unterricht mit einbezogen. Danach geht es darum, dass die Kinder auf dem Spielplatz immer unter Beobachtung stehen müssen, damit Unfälle vermieden werden. Außerdem sollen die Klassenräume sauber und ordentlich gehalten werden, um ein besseres Arbeitsklima zu schaffen. Dann geht es um Rechtschreibfehler auf den Plakaten in den Klassenräumen. Die Lehrer sind Vorbild für die Kinder, sagt Patricia, und sollen Rechtschreibfehler vermeiden.

Nächstes Thema: Kinder lernen und verstehen unterschiedlich schnell. Deshalb sollen Kinder auch erst dann in die nächsthöhere Klasse (“level”) kommen, wenn sie dazu bereit sind. Am Ende des Workshops geht es um Teamfähigkeit: Konstruktive Kritik soll angenommen werden, und die Lehrer sollen sich gegenseitig helfen.

Am Nachmittag schaut Patricia sich den Unterricht in den „afternoon classes“ an.

Zurück im Gästehaus beginnen wir (Lena und Marieke) dann direkt damit, neue Materialien für den Unterricht zu produzieren. Eine Methode, die Patricia auch in ihrer Schule anwendet, sind kurze Sätze mit zwei bis sechs Wörtern, die auf verschiedenfarbiges Papier geschrieben werden. Diese können sich die Kinder dann im Unterricht heraussuchen, lesen und abschreiben. Wir erstellen ein Beispiel, das Patricia am nächsten Tag den Lehrern übergibt, damit sie für jede ihrer Klassen so etwas herstellen können.

Am Donnerstag geht Patricia Ceesay im Workshop dann auf die Bedeutung der englischen Sprache im Unterricht ein. Englisch ist die Grundlage der weiteren Ausbildung der Kinder. Patrica spricht darüber, wie wichtig es ist schreiben zu lernen. Viele Kinder lernen am Wochenende Arabisch. Auf Arabisch schreibt man allerdings von rechts nach links und nicht, wie im Englischen, von links nach rechts. Das ist für viele Kinder verwirrend und muss deshalb geübt werden.

Patricia motiviert die Lehrer, indem sie ihnen sagt, was für eine große Rolle sie im Leben der Kinder und so auch in ihrer Erziehung spielen. Die Lehrer sollen deshalb stolz auf ihren Beruf sein.

Den Kindern soll beigebracht werden, dass kein Müll auf den Boden, sondern in die vorhandenen Mülleimer geworfen wird. Nächster Punkt: die Klassenregeln. Klassenregeln sollen in jedem Klassenraum aushängen und am besten jeden Morgen wiederholt werden. Patricia macht noch einmal deutlich, dass im Unterricht der Fokus auf dem Kind liegen soll. Das bedeutet, die Lehrer sollen während des Unterrichts nicht an ihr Handy gehen oder sich mit anderen Sachen beschäftigen. Teil des Workshops ist auch, dass Patricia verschiedene Wörter mit jeweils zwei Vokalen an die Tafel schreibt. Sie erklärt und übt mit allen Lehrern zusammen die Aussprache. Als letzter Punkt wird die Beschaffung von Schul- und Lernmaterial besprochen. Eine Liste mit fehlenden Materialien soll erstellt und an das Projektbüro weitergegeben werden. Den Nachmittag verbringt Patricia damit, sich die „afternoon classes“ anzuschauen. Positiv fällt ihr auf, dass die Kinder mit verschiedenen Lernmethoden lernen. Während einer Stunde zum Thema Gemüse ist ein Lehrer mit den Kindern in den Gemüsegarten gegangen, um sich das Gemüse dort anzuschauen.

Am Freitag gibt Patricia einen letzten Workshop. Hierbei geht sie zuerst auf die Art des Unterrichtens ein. Die Lehrer sollen in einer ruhigen Körperhaltung und mit gesenkter Stimme unterrichten. Außerdem soll die Größe der Klassenräume besser genutzt werden. Damit die Kinder mehr Platz zum Lernen haben und sich besser konzentrieren können, sollen die Tische auseinander gezogen werden. Um sicher zu gehen, dass die Kinder genug trinken, schlägt Patricia kurze Pausen vor, in denen die Kinder Wasser trinken können. Den Kindern soll im Unterricht beigebracht werden, wie man sich z. B. die Zähne putzt oder auch, dass man früh ins Bett gehen soll. Die Kinder nehmen so das Gelernte mit nach Hause und können es dann zuhause anwenden. Es wird danach angesprochen, dass man die Eltern der Kinder einbeziehen soll. Elterntreffen kann man auch dazu nutzen, den Betrag für das Schulessen einzufordern oder den Eltern zu sagen, wie sie ihre Kinder für die Schule fertig machen sollen. Dazu gehört Haare flechten bei den Mädchen, Haare rasieren bei den Jungen – und die Schuluniform regelmäßig zu waschen.

Zum Schluss des Workshops bedankt sich Patricia bei allen und freut sich über die schöne Zusammenarbeit. Außerdem lädt sie alle Lehrer herzlich ein, sich die “Trankil Academy” anzuschauen, ihre Schule in Brufut.

Die Lehrer bedanken sich für die Hilfe und die vielen Tipps von Patricia und freuen sich schon auf ein nächstes Mal.” (Lena Engel / Marieke Osewold)

Die pädagogischen Erkenntnisse aus ihrem Workshop hat Patricia Ceesay in diesem Bericht zusammengefasst:

„Bei meinem dreitägigen Besuch konnte ich während des Vormittags- und Nachmittagsunterrichts alle Klassen sowohl bei der Arbeit als auch beim Spiel beobachten.

Ich freue mich festzustellen, dass der Unterricht interaktiver und ordentlicher geworden ist. Die Lehrer hatten eine Fülle von Lehr- und Lernmaterialien vorbereitet, die sie täglich verwenden. Wie auf dem letzten Treffen besprochen, haben die Lehrer festgestellt, dass der Unterricht geordneter war, wenn Kinder aktiv an ihrem eigenen Lernen teilnehmen. Die Lehrer sagten, dass sie dadurch auch selbst weniger müde werden und ihnen der Unterricht mehr Freude macht.

An allen drei Tagen habe ich eine Schulung abgehalten. Während dieser Sitzungen konnte ich meine Beobachtungen mit den Mitarbeitern teilen, ihre Bedenken und Einschränkungen besprechen und konkrete Möglichkeiten vorschlagen, wie sie ihre Arbeit im Kindergarten verbessern können, ihre Beziehung zu den Eltern, den Kontakt mit der Dorfbevölkerung und mit der Grundschule, in der die meisten Kinder später ihre Bildungskarriere fortsetzen.

Es ist erfreulich, dass die Lehrer bereit sind, Vorschläge zur persönlichen und professionellem Verbesserung umzusetzen.

Bei jedem weiteren Besuch kann ich das Vertrauen der Lehrer, ihr Verständnis für die Kinder und die Durchführung von Unterrichts und Unterrichtsmanagement deutlich verbessern. Ich habe keinen Zweifel, dass sie weiterhin gute Arbeit leisten werden.“ (Patricia Ceesay)

 

Fotos: ©2019 Projekthilfe Gambia e.V. / Lena Engel, Marieke Osewold

Bildergalerie

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Es ist ein Meilenstein in der Geschichte der Buschklinik: knapp 28 Jahre nach der Eröffnung ist die Buschklinik seit dem 15.02.2019 an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Auch wenn die Klinik seit 1991 über eine eigene Solaranlage verfügt und über Jahrzehnte der einzige Ort im Umkreis mit einer eigenen unterbrechungsfreien Stromversorgung war, ist der Anschluss an das öffentliche Stromnetz wichtig als Reserve, falls technische Probleme mit Solaranlage oder Speicherbatterien auftreten. Das war Ende 2018 über mehrere Monate hinweg der Fall: die Speicherbatterien hatten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und mussten erneuert werden. Es dauerte mehrere Monate, bis der Fehler lokalisiert und neue Batterien bestellt, geliefert und installiert werden konnten. Jetzt kann bei technischen Problemen mit der Solaranlage einfach auf das öffentliche Stromnetz umgeschaltet werden.

Schon Ende 2017 waren die Überland-Stromleitungen entlang der South Bank Road von der Küste kommend in Jahaly angekommen. Im Laufe des Jahres 2018 wurden einige Familien in Jahaly, die es sich leisten konnten, an das Stromnetz angeschlossen. Erst Mitte Januar 2019 wurden wir darauf aufmerksam, dass die Strom-Unterverteilung des Dorfes an einem Strommast  direkt gegenüber der Buschklinik endete. In einer absoluten Rekordzeit von nur zwei Wochen wurde die Stromleitung in Zusammenarbeit mit dem gambischen Stromversorger Nawec über die Landstraße bis auf das Projektgelände verlängert und mit dem Inselnetz von Klinik und Kindergarten verbunden. Dafür musste ein großer Strommast zur Überquerung der Landstraße per Sattelschlepper geliefert und mit einem Kranwagen aufgestellt werden, die Leitungen mussten verlegt und ein Stromzähler installiert werden. Ohne die langjährigen guten Kontakte in Gambia und ohne die tatkräftige Unterstützung durch die Elektro-Firma “General Engeneering” von Charles M’bye, der der Vorsitzende von Project Aid The Gambia ist, hätte das niemals so schnell geklappt. Nächtliche Geburten im Licht von Taschenlampen oder Handy-Leuchten gehören jetzt der Vergangenheit an. Wir sind sehr glücklich.

Bildergalerie

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Am 24.01.2019 haben die Projekthilfe Gambia e.V., Project Aid The Gambia und Dr. Isatou Touray, Gesundheitsministerin Gambias*/**, eine Absichtserklärung (“Memorandum of Understanding”)  zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Gambia unterzeichnet.

  1. Ausgangssituation

Die Lage im staatlichen Gesundheitswesen in Gambia ist desaströs. In den größeren staatlichen Krankenhäusern fehlen Medikamente und medizinische Geräte. Dasselbe trifft auf die ländlichen Gesundheitsstationen zu, die über das Land verteilt sind.

Die Gesundheitsstationen auf dem Land sind baulich und hygienisch in einem desolaten Zustand. Die wenigsten haben eine Versorgung mit Elektrizität und fließendem Wasser. Gesundheitsstationen, die an das Stromnetz angeschlossen sind, verfügen über ein monatliches Budget für Strom („Cash Power“), das zu gering bemessen ist und oft schon Mitte des Monats aufgebraucht ist. Nächtliche Geburten finden im Schein von Taschenlampen oder Handys statt.

Die nicht vorhandene Versorgung mit Medikamenten führt dazu, dass Patienten ihre Medikamente für die Behandlung in umliegenden privaten Apotheken zu überteuerten Preisen kaufen müssen. Diese privaten Apotheken werden von ehemals im staatlichen Gesundheitssystem angestellten und gut ausgebildeten Krankenschwestern/-pflegern betrieben, die dem staatlichen System jetzt fehlen.

Fachärzte fehlen im ganzen Land. Zum Beispiel gibt es in Gambia nur einen einzigen Diabetologen, der nur eine verschwindend geringe Zahl an Diabetikern behandeln kann – und auch das nur in der Hauptstadt Banjul und nur mit Hilfe eines Vereins in Deutschland.

Viele Krankenschwestern/-pfleger im ländlichen Bereich haben den Staatsdienst verlassen, weil das Ministerium ihnen und ihren Familien keine Wohnmöglichkeiten in oder in der Nähe der Gesundheitsstationen zur Verfügung stellen kann.

Aus Deutschland und anderen europäischen Ländern gespendetes medizinisches Equipment funktioniert oft nicht lange, da es keine Trainingsangebote für technisches Personal gibt und/oder Geld für Wartung und Reparatur fehlt.

2011/2012 hat die Projekthilfe Gambia e.V. mit Fördermitteln des BMZ  (Bundesministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung) das staatliche Gesundheitszentrum im Dorf Njaba Kunda als Modellklinik neu gebaut und an das gambische Gesundheitsministerium übergeben.

2009/2010 hat die Projekthilfe Gambia e.V. eine bauliche Bestandsaufnahme aller 33 damals existierenden ländlichen Gesundheitsstationen durchgeführt. Es existieren Grundriss-Zeichnungen und Fotos.

Durch das nachfolgend beschriebene Projekt könnte Gambia zu einer Modellregion in Afrika werden.

  1. Projektbeschreibung 
  • Gebäude/Equipment
    • Die Gesundheitsstationen sollen baulich saniert/renoviert werden. Die hygienischen Verhältnisse sollen verbessert werden: Schaffung einer Wasserversorgung, Fliesen aller Räumlichkeiten etc.
    • Es soll jeweils ein kleines Labor eingerichtet werden
    • Wohnraum für Personal, das nicht aus den umliegenden Dörfern stammt, soll geschaffen werden (Neubau)
    • Aufbau eines zentralen „Facility-Management“-Teams aus lokalen Handwerkern, die für Wartung/Reparaturen der Gebäude zuständig sind (geplant: über einen Zeitraum von 10 Jahren nach Erst-Renovierung bzw. Neubau)
  • Strom/Wasser
    • Möglichst alle ländlichen Gesundheitsstationen sollen mit einer unterbrechungsfreien (Solar-) Strom- und Wasserversorgung ausgestattet werden – durch Installation von kleinen PV-Anlagen inkl. Speicherbatterien.
  • Medizinische Geräte
    • Medizinisches Equipment (gebraucht) für staatliche Krankenhäuser soll dezentral in Deutschland besorgt (Spende oder Ankauf) und nach Gambia verschifft werden
    • Training für technisches Personal
    • Schaffung einer Möglichkeit zur Wartung/Reparatur von medizinischem Equipment vor Ort in Gambia
  • Medikamentenversorgung
    • Das existierende System der kostenfreien Abgabe von – nicht existierenden -Medikamenten an Patienten soll abgeschafft werden. Patienten sollen in Zukunft verschriebene Medikamente zum Einkaufspreis (Großhandelspreise) zzgl. 10% Zuschlag erwerben. Dies wurde im vorliegenden MOU bereits vereinbart.
    • Aus den Einnahmen aus Medikamentenverkauf und Patienten-Behandlungsgebühren können neue Medikamente gekauft werden
    • Die Beschaffung der Medikamente inkl. Logistik (Lieferung/Lagerung) soll an lokale private Groß-Apotheken outgesourct werden.
    • Dies würde den kleinen privaten Apotheken im Umfeld der Gesundheitsstationen die Geschäftsgrundlage entziehen. Die Betreiber (Krankenschwestern/-pfleger) würden in den staatlichen Gesundheitsdienst zurückkehren.
  • Klinik-App
    • Die Projekthilfe Gambia e.V. entwickelt zurzeit eine App für Smartphones, mit der der Betrieb einer Gesundheitsstation komplett abgewickelt werden kann inkl.
      •  Registrierung von Patienten
      • Einnahmen Gebühren für Behandlung, Labor
      • Diagnose/Behandlung inkl. medizinischen Guidelines für die Behandlung/Medikation der am häufigsten auftretenden KrankheitenLaborergebnisse
      • Ausgabe/Verschreibung von Medikamente
      • Möglichkeit der Datenweitergabe von Symptomen/Krankheiten an UN/WHO oder andere internationale Organisationen
    • Die App verschickt alle Daten täglich und automatisiert zur Auswertung an einen zentralen Server (via Internet oder SMS)
    • Informationen über die Anzahl von behandelten Patienten und Krankheiten stehen taggleich zur Verfügung.
    • Häufung von Krankheiten in bestimmten Orten/Regionen und möglicherweise beginnende Epidemien können frühzeitig entdeckt und bekämpft werden.
    • Informationen über die Anzahl ausgegebener Medikamente stehen taggleich zur Verfügung und können zur Nachbestellung/Logistik genutzt werden.
    • In größeren Gesundheitsstationen muss ein kleines Netzwerk („Intranet“) mit Server (PC, Laptop) zur Datenspeicherung/-weiterleitung eingerichtet werden. Voraussetzung dafür ist eine unterbrechungsfreie Stromversorgung. Diese wird durch die installierte PV-Anlage/n und Speicherbatterien garantiert.
  1. Projektstatus

Zurzeit wartet die Projekthilfe Gambia e.V. auf Informationen aus dem gambischen Gesundheitsministerium über

  • Anzahl/Benennung der ländlichen Gesundheitsstationen, die saniert/renoviert werden sollen
  • baulichen Zustand der einzelnen Gesundheitsstationen
  • Anschluss an das Stromnetz
  • Personalausstattung
  • Anzahl Patienten/Jahr
  • vorhandenes medizinisches Equipment in staatlichen Krankenhäusern
  • fehlendes medizinisches Equipment in staatlichen Krankenhäusern

Anschließend kann der Finanzierungsbedarf festgestellt, eine Kostenkalkulation und eine Terminplanung erarbeitet werden. Zurzeit werden Partner für die Umsetzung des Memorandum of            Understanding (MOU) gesucht.

 

*Update: Am 15.03.2019 wurde die Gesundheitsministerin Dr. Isatou Touray zur Vizepräsidentin ernannt. Bis auf weiteres bleibt sie auch Gesundheitsministerin.

**Update: Am 27.03.2019 wurde Dr. Ahmadou Lamin Samateh zum neuen Gesundheitsminister ernannt.