Umweltfreundliche Herde

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Umweltfreundliche Herde.

Seit 2010 entwickelt die Projekthilfe Gambia umweltfreundliche Herde, die nach und nach die traditionellen offenen Feuerstellen ersetzen. Die Herde sparen knappes und teures Feuerholz und reduzieren Augen- und Atemwegserkrankungen bei den Frauen sowie schwere Brandverletzungen von Kindern. Inzwischen sind in den Dörfern Jahaly und Madina 150 dieser Herde gebaut worden (Stand: Dezember 2014). Unterstützt wurde das Projekt durch Spenden einer gambischen Stiftung sowie der Ministranten St.Konrad aus Amberg. Durch die Schornsteine der Herde hat sich die „Skyline“ der beiden Dörfer sichtbar verändert. Die Dorfbevölkerung beschafft den notwendigen Sand für den Bau der Herde und stellt Hilfsarbeiter. Der Bau eines Herdes inkl. Material und Lohnkosten für den Maurer der Projekthilfe kostet ca. 25 Euro.

Die Frauen der Dörfer sind von den Herden sehr begeistert. Erstmals seit Existenz der Buschklinik musste die Klinik 2014 keine Brandverletzungen mehr behandeln, die sich früher vor allem kleine Kinder beim Spielen neben den offenen Feuerstellen zuzogen.

Für den Bau eines ersten Prototypen im Jahr 2010 wurden ausschließlich selbst produzierte Lehmziegel verwendet. Lehm als Baustoff ist rund um Jahaly ausreichend vorhanden. Um die Kosten pro Herd niedrig zu halten, sollte auf den Kauf von gebrannten Ziegeln, Schamott-Steinen und Eisenringen für die „Herdplatten“ verzichtet werden. Abgesehen von den Kosten für den Transport nach Jahaly sind diese Baumaterialien in Gambia schwer oder gar nicht zu beschaffen.

Jeder Herd besteht aus zwei Feuerstellen („Herd-Platten“) mit Zugang zu einem seitlichen Schornstein oder (als „Doppel-Herd“) aus jeweils zwei Feuerstellen rechts und links mit Zugang zu einem Schornstein in der Mitte.

Für alle benötigten Bauteile wurden Formen aus Eisen hergestellt, so dass die Bauteile in größeren Mengen vorproduziert und die Herde nach dem Baukastenprinzip zusammengebaut werden konnten. Aber der Baustoff Lehm erwies sich für den Bau von Feuerkammer, Feuerloch und den Rauchkanal zum Schornstein als nicht geeignet. Durch die schweren Töpfe und die große Hitze brachen sehr schnell Teile aus der Lehm-Konstruktion heraus und machten den Herd unbenutzbar.

Eine andere Herausforderung waren die Kochtöpfe, die in Gambia verwendet werden. Es gibt unterschiedliche Größen – die meisten haben zudem einen dreibeinigen Standfuß, damit die Kochtöpfe in die traditionellen offenen Feuerstellen gestellt werden können. Damit auch kleinere Kochtöpfe benutzt werden konnten, produzierten wir Ringe aus Beton (erst ohne, dann mit Bewehrungen aus Baustahl) in verschiedenen Größen für die runden Herdöffnungen. Die Betonring-Konstruktionen überstanden den Praxis-Test nicht: sie waren zu schwer und zerbrachen nach kurzer Zeit.

Schließlich hatten wir die Idee, die Brennkammer (und damit die Herdöffnung) in Dreiecks-Form zu gestalten. Die großen Töpfe passten mit ihrem Dreibein-Fuß genau in die Öffnung, Zum Abdecken der Dreieck-Enden bei der Benutzung von kleineren Töpfen wurden passende Beton-Ecken produziert, so dass Topf und Beton-Ecken die Feuer-Öffnung komplett abdecken und kein oder nur noch sehr wenig Rauch aus der Feuerstelle in die Koch-Hütte austritt. Der Rauch zog fast vollständig durch den Schornstein ab.

Beim zweiten Prototyp wurden die Bauteile für die dreieckige Brennkammer, das Feuerloch und den Rauchkanal zum Schornstein aus Beton gegossen und im Baukastenprinzip zusammengesetzt. Das Feuerloch, durch das lange Hölzer als Brennmaterial immer weiter in die Brennkammer geschoben werden, wurde doppelt verstärkt. Rund um die Bauteile wurden Lehmziegel verbaut, um dem Herd eine Form zu geben. Eine „Arbeitsplatte“ aus Beton mit Aussparungen für die Herdöffnungen wurde am Ende aufgebracht.

Auch der 2.Prototyp musste aufgegeben werden. Die Verwendung von Lehm und Beton führte zu Rissen und Abbrüchen an den Kontaktstellen der unterschiedlichen Baustoffe. Die Konstruktion der Brennkammer als „Hasenwinkeler Dreieck“ (benannt nach der Adresse in Bochum, wo die Idee geboren wurde) hatte sich jedoch bewährt.

Für die aktuell neu gebauten 150 Herde (Stand: Dezember 2014) wurden dann ausschließlich Bauteile aus Beton verwendet. Auch hier gibt es nach einigen Monaten Materialermüdungen durch das Aufsetzen von schweren Kochtöpfen und dem Hantieren mit großen Hölzern im Feuerloch. Der in Gambia erhältliche Zement ist leider von schlechter Qualität, ebenso Sand bzw. Kies. Regelmäßige Wartungs- und Reparaturarbeiten sind weiterhin erforderlich.

Presseerklärung zum Bau des ersten Herdes aus Lehm (2010) als pdf | hier |
Bauanleitung als pdf | hier |.

Aktuelle Geschichten aus unserem Verein und unseren Projekten finden Sie in unserem Buschklinik-Blog | hier |.

Video Umweltfreundliche Herde in Jahaly/Gambia (2010)

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