Eröffnung Modellklinik Njaba Kunda Health Centre

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Njaba Kunda, Gambia, am 3.April 2012. – Stahlendweiß und nagelneu ist die neue Modellklink im  Dorf Njaba Kunda im westafrikanischen Gambia. Fast wie eine Oase sieht das Klinik-Gelände aus in der staubigen Gegend nördlich des Gambia-Flusses. Acht weiß gestrichene Gebäude gruppieren sich um einen großen Mango-Baum. Blumen und Pflanzen säumen die mit gebrochenen Fliesen gefliesten Wege zwischen den einzelnen Häusern. Etwa zwölf Monate haben die Bauarbeiten des gemeinnützigen Vereins “Projekthilfe Gambia e.V.”, Hattingen, gedauert, ein weiteres Jahr benötigte die Planung für den Neubau der ehemaligen “Kinderklinik Bochum in Gambia”.

Die offiziell geladenen Gäste, die an diesem Dienstag (3.4.) aus der Hauptstadt Banjul in den afrikanischen Busch angereist sind, sind beeindruckt. Die Gesundheitsministerin von Gambia, eine Vertreterin der deutschen Botschaft, eine Delegation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), lokale Politiker und natürlich die Dorfbevölkerung von Njaba Kunda sind zur offiziellen Einweihung „ihrer“ neuen Gesundheitsstation gekommen. Und diese deckt nicht nur die Grundversorgung der Bewohner der Region ab, sondern ist gleichzeitig ein Beispiel, ein Modell für das ganze Land.

„Am Anfang war ich mehr als skeptisch,“ sagt Krankenschwester und Klinikleiterin Alimatou Saidy, „als uns die Projekthilfe von ihrem Plan erzählte, die Betten der Klinik zu mauern und zu fliesen.” Saidy hat schon in Njaba Kunda gearbeitet, als der Altbau noch stand: die Gebäude waren halb verfallen, es war schmutzig, die alten Fliesen waren zerbrochen und die Metall-Betten rosteten vor sich hin. Es gab schon lange kein fließendes Wasser mehr und Strom nur wenige Stunden am Tag. Doch als die Krankenschwester am Dienstagvormittag ein letztes Mal vor der feierlichen Eröffnung durch die Räume geht, ist sie endgültig überzeugt. „Das hier muss man einfach sauber halten. Es gibt keine Entschuldigung mehr. Jetzt haben wir rund um die Uhr Strom und Wasser.”

Heute verfügt die Klinik über eine 6-KW-Solaranlage, eine Spende des Ökostrom-Energieversorgers Naturstrom aus Düsseldorf. Mitglieder der Projekthilfe haben die Anlage im letzten Sommer selbst aufgebaut. Sie versorgt die Klinik mit Strom und treibt die Pumpe an, die den 16.000-Liter-Wassertank füllt. Anders als früher verfügt die Klinik jetzt sogar über ein kleines Labor.

“Wir haben uns bei der Planung viele Gedanken gemacht”, sagt Projekthilfe-Chef Matthias Ketteler aus Bochum. “wie wir es den Mitarbeitern hier möglichst einfach machen können, dauerhaft hygienische Verhältnisse sicherzustellen.” Daher sind nicht nur alle Fußböden und Wände der Klinik gefliest, sondern auch die gemauerten Betten, Tische und Schränke. Etwas ganz besonders ist auch das Belüftungssystem der Räume: durch Schlitze unter- und oberhalb der Fenster zirkuliert die Luft auf natürliche Weise und sorgt für eine angenehme Raumtemperatur in der heißen Gegend. Der Neubau der Gesundheitsstation wurde aus Spenden der „Projekthilfe Gambia e.V.“ finanziert – unterstützt mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Matthias Ketteler, Alimatou Saidy, die Mitarbeiter der Klinik und hunderte Menschen haben sich am Vormittag mit den Gästen zur offiziellen Übergabe der neuen Klinik an die gambische Regierung auf einem Platz gegenüber der Klinik versammelt. Bis alle Gäste eingetroffen sind und die Feier beginnen kann, vergehen mehrere Stunden.

In seiner kurzen Rede, die in die lokale Sprache Mandinka übersetzt wird, appelliert Matthias Ketteler dann an die Klinik-Mitarbeiter, sich um ihre neue Klinik zu kümmern. „Wir dürfen mit dem heutigen Tag nicht aufhören“, sagt er. „Wir können hier die tollste Klinik hinstellen, aber das nutzt nichts, wenn sich die Einstellung der Menschen nicht ändert: ein Gebäude muss immer gepflegt werden, damit der Standard erhalten bleibt.“ Und der Standard der neuen Klink ist in Gambia bislang unerreicht. “Ich bin sehr beeindruckt,” sagt die gambische Gesundheitsministern Fatim Badjie bei ihrem Rundgang. “Diese Klinik ist wirklich eine Modellklinik und wir sollten diesen Standard für das ganze Land anstreben. Die Menschen von Njaba Kunda sind glücklich und werden die Klinik gut annehmen.”

Auch die Menschen von Njaba Kunda haben sich am Bau der Gesundheitsstation beteiligt und in den letzten Monaten große Mengen an Sand und Kies herbeigeschafft. Es war ihnen wichtig, auch selbst einen Beitrag zu dem Projekt zu leisten, von dem sie wissen, dass es ein Modell für ihr Land ist.

Auch eine kleine Gruppe aus Deutschland, viele von ihnen aus Hattingen, sind zur Eröffnung nach Njaba Kunda gekommen. Viele sind seit Jahren Freunde und Förderer der Projekthilfe. Auch sie sehen die Besonderheit dieses Projektes. Der 21-jährige Azubi Kevin Arndt ist zum ersten Mal außerhalb Europas. “Diese Klinik hier ist einfach klasse.”, sagt er. “Am meisten beeindruckt haben mich die gefliesten Betten im Krankensaal.” So sehen das auch die Menschen von Njaba Kunda, die nach dem Ende der Eröffnungsfeier zu hunderten über das Gelände spazieren und neugierig ihre neue Klinik besichtigen.

Für Matthias Ketteler und die Projekthilfe ist die Arbeit für Njaba Kunda auch nach der Eröffnung noch lange nicht zu ende. Die Projekthilfe wird für die nächsten zwei Jahre für die Hygiene und das Training des Personals in Njaba Kunda verantwortlich sein. Kevin Arndt hat sich vorgenommen, zuhause gleich Geld für die nächste Reise nach Gambia zu sparen, um in einem Jahr noch einmal nach Njaba Kunda zu kommen. “Ich bin jetzt schon ein Fan von Gambia”, sagt er.

Und Krankenschwester Alimatou Saidy? Sie erzählt am Abend, als der Trubel sich langsam legt, dass heute während der Eröffnungsfeier ein Baby in der Klinik zur Welt gekommen ist. „Die Mutter will es aus Dankbarkeit ‘Alisha’ nennen.“, sagt sie. So heißt die kleine Tochter von Matthias Ketteler.

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Die Rede von Matthias Ketteler, Vorsitzender der Projekthilfe Gambia e.V., zur Eröffnung der Modellklinik Njaba Kunda am 03.04.2012 lesen Sie | hier |

In einem Tagebuch haben wir im Jahr 2011 berichtet, wie wir die Solaranlage für die Klinik in Njaba Kunda aufgebaut haben. Das Tagebuch zeigt, wie Entwicklungszusammenarbeit vor Ort tatsächlich aussieht, welchen Problemen wir begegnen und welche Erfolge wir – hoffentlich – am Ende erzielen.

Zum Tagebuch „Strom für Njaba Kunda“ geht es | hier | 

Einen Bericht über den ersten Spatenstich in Njaba Kunda im Januar 2011 und über unsere Vision für Njaba Kunda lesen Sie | hier | 

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Video: Eröffnung Modellklinik Njaba Kunda (2012)

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Ulfert

Filmmaker, Journalist, Freelancer, Video Journalist

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