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Manjai Kunda, im Juni 2011 –   

Die Bauarbeiten an unserer neuen Modellklinik in Njaba Kunda (ehemals Bochumer Kinderklinik in Gambia) gehen voran. In diesen Tagen (Ende Juni) bauen wir die  Solarstromanlage auf. Am 16.Juni 2011 sind wir dafür für zwei Wochen nach Gambia geflogen: Matthias Ketteler (Vorstand), Rolf Kuhlemann (Ingenieur der Elektrotechnik) und Vasyl Petrenko (Elektriker). In unserem Tagebuch möchten wir den Mitgliedern und Förderern der „Projekthilfe Gambia e.V.“ berichten, wie unsere Arbeit konkret aussieht und ein Gefühl dafür vermitteln, wie Entwicklungszusammenarbeit vor Ort tatsächlich stattfindet, welchen Problemen wir begegnen und welche Erfolge wir – hoffentlich – am Ende erzielen.

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Genau gesagt, werden wir sogar zwei Solaranlagen aufbauen – eine für unser Projekt-Büro in Manjai Kunda und  die andere in der Modellklinik Njaba Kunda. Für unser Büro, das den Bau der Klinik und unsere anderen Projekte koordiniert, und für die Modellklinik selbst ist eine verlässliche unterbrechungsfreie Versorgung mit Strom unverzichtbar.

Die Stromversorgung in Gambia ist – aus europäischer Sichtweise – katastrophal. Regelmäßig schaltet der staatliche Stromerzeuger ganze Wohnbezirke einfach ab, da der Stromverbrauch erheblich höher ist als die Stromerzeugung. Ein weiteres Problem: wird die Stromlieferung dann wieder aufgenommen, wird der Strom oft mit einer Anfangsspannung von bis zu 380 Volt eingespeist. Dies zerstört langfristig alle stromverbrauchenden Geräte.

In den ländlichen Gebieten, in denen unsere Projekte sind,  gibt es teilweise überhaupt keine Stromversorgung.

Wir haben uns vor unserer Reise mit der Solartechnik vertraut gemacht, um die Anlagen möglichst problemlos aufbauen zu können.

Ein Container, den wir von Deutschland aus auf den Weg gebracht haben, sollte mit den Bauteilen der Solaranlagen bereits vor einer Woche im Hafen von Banjul eingetroffen sein.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Das Warten beginnt…

Ankunft in Banjul am Donnerstag kurz vor 16:00 Uhr am Nachmittag. Der Flieger hatte 40 Minuten Verspätung. Temperatur : 33  Grad, wolkenloser Himmel.

Nach einer kurzen Besprechung mit unserem Projektmanager Bakary Kinteh ist klar:  der Container ist immer noch nicht in Banjul angekommen. Vielleicht heute Abend. Wir hoffen, dass wir den Container morgen, Freitag, entladen können. Unsere Zeit ist knapp kalkuliert.

Freitag, 17. Juni 2011

Kein Container, Auto kaputt, ein neues Projekt – und: wo ist der Bauunternehmer?

08:00 Uhr: Besprechung mit den Mitarbeitern im Büro. Der Container ist gestern Abend nicht eingetroffen. Der Versuch, per Internet über Online-Tracking herauszufinden, wann das Schiff mit dem  Container ankommt, schlägt fehl, da die letzten zwei Tage nicht eingetragen sind. Anruf in Deutschland bei der zuständigen Reederei: heute Abend soll der Container ankommen.

Unser Problem jetzt: ein Container, der am Freitag Abend in Afrika eintrifft, wird kaum samstags gelöscht. Das würde bedeuten, dass wir frühestens Montag mit dem Entladen des Containers beginnen können. Drei Tage wären verloren.

Jetzt helfen nur noch andere Kontakte. Wir wenden uns an einen befreundeten Geschäftsmann, der unserem Projekt sehr nahe steht. Auf dem kurzen Dienstweg spricht er mit dem Leiter der Hafenbehörde, der uns zusichert, den Container am Samstag Morgen herauszugeben, sofern er heute Nacht eintrifft.

Wir versuchen den Bauunternehmer zu erreichen, der für die Bauarbeiten in Njaba Kunda verantwortlich ist. Wir haben drei Handynummern, erreichen ihn aber nicht. Wir entscheiden uns, zu seinem Büro zu fahren.

Auf der Fahrt dorthin bleibt einer der beiden Projektwagen liegen: er nimmt kein Gas mehr an. Wir lassen den Wagen stehen. Im seinem Büro ist der Bauunternehmer auch nicht. Kurze Zeit später ruft er an: er ist in Dakar im Senegal, kommt jedoch heute Abend zurück. Wir vereinbaren einen Termin für morgen, Samstag,  gegen 10:00 Uhr.

Wir entscheiden, uns erst einmal um den fahruntüchtigen Projektwagen zu kümmern. Nach zwanzigminütiger Fahrt erreichen wir die Werkstatt, mit der wir zusammenarbeiten. Der Werkstattleiter – ein Holländer – bietet an, den Wagen am moren auf unserem Grundstück zu checken. Er vermutet einen verstopften Dieselfilter. Der Diesel hier in Gambia hat eine ausgesprochen schlechte Qualität.

Wir besprechen noch den Verkauf von vier Fahrzeugen, die wir vor acht Wochen mit unserem Hilfskonvoi nach Gambia gefahren haben. Ein Verkauf war bisher nicht möglich, da die meisten PKW in den Senegal verkauft werden, die Grenze zwischen Senegal und Gambia jedoch wegen verschiedener Spannungen für vier bis sechs Wochen komplett gesperrt war.

Wir hoffen daher, die Fahrzeuge in den kommenden Wochen verkaufen zu können und den Erlös in unser Projekt fließen zu lassen.

10:00 Uhr: Auf dem Rückweg ins Hauptquartier wollen wir den fahruntüchtigen Wagen abschleppen. Doch da springt er wieder an: manchmal hat man eben Glück.

Durch ein Telefonat erfahren wir, dass der Container erst morgen, Samstag, gegen 14:00 Uhr in Banjul eintreffen wird. Somit ist unsere Planung wieder einmal über den Haufen geworfen. Wir werden den Container frühestens am Montag entladen können.

12:00 Uhr: Kurze Besprechung mit unseren Büromitarbeitern und dem deutschen Architekt, der die Baumaßnahme in Njaba Kunda überwacht: wir erfahren, dass auf dem Bauplatz nicht genügend Sand und Kies vorhanden ist. Vereinbarungsgemäß sind für die Beschaffung die Menschen in Njaba Kunda zuständig. Das ist ihr Anteil an dem Projekt. Wir müssen jedoch die Transportmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Sand und Kies wird in der Gegend um Njaba Kunda abgebaut. Für den Transport haben wir bereits vor zwei Monaten aus Deutschland einen gespendeten LKW nach Gambia verschifft. Da es jedoch in den ländlichen Bereichen bereits den ersten Regen gegeben hat, bereitet sich die Landbevölkerung auf die Bestellung der Äcker vor. Wir müssen daher möglichst schnell handeln, damit die Bauarbeiten nicht durch fehlenden Sand und Kies verzögert werden. Wir telefonieren mit den Verantwortlichen in Njaba Kunda: Sand und Kies müssen jetzt zügig herangeschafft werden.

14:00 Uhr: wir sprechen mit einem afrikanischen Geschäftsmann, der mit einem Konsortium gambischer Partner in den Energiesektor des Landes einsteigen möchte. Wir erhalten sehr fundierte Informationen über Stromerzeugung und -verbrauch in Gambia sowie über das katastrophale Stromnetz: etwa 25 bis 30 Prozent der Energie gehen verloren. Jetzt soll der Versuch unternommen werden, den Energiesektor in bestimmten Bereichen zu privatisieren. Hier war die Meinung und Einschätzung von Rolf Kuhlmann besonders gefragt, der viele Jahre beim Energieversorger RWE gearbeitet hat. Da eine permanente Stromversorgung insbesondere für weitere gesundheitspolitische Maßnahmen von extremer Wichtigkeit ist, werden wir uns diesen Gesprächen nicht verschließen.

16:00 Uhr: Gesprächstermin im Office mit einem australischen Arzt, der in Feldstudien für eine internationale Organisation die Wirksamkeit von neuen Impfstoffen prüft. Unsere Buschklinik in Jahaly wurde als Basis ausgewählt für die Arbeit in den umliegenden Dörfern. Der Arzt zeigt sich begeistert von der Ausstattung unserer Gesundheitsstation. Er hält die Buschklinik für ein einzigartiges Projekt mit Modellcharakter für das ganze Land. Eine Krankenschwester und ein Kommunikator sollen für zweieinhalb Jahre bei uns wohnen und gemeinsam mit unseren Projektmitarbeitern diese Feldstudie durchführen. In mehreren Versuchsreihen sollen Kinder unter fünf Jahren auf Immunität für bestimmte Pneumokokken untersucht werden, die für die Entstehung von Lungenentzündungen verantwortlich sind. Die Auswertung dieser Daten wird der Weltgesundheitsorganisation WHO helfen, den richtigen Impfstoff für die Gebiete im westlichen Afrika einzuschätzen. Um diese Feldstudien möglichst professionell durchzuführen zu können, vereinbaren wir Schulungen für unsere Mitarbeiter vor Ort für die Bereiche Nachweise von Erregern und Erfassung von Daten. Das Projekt soll bereits Anfang Juli starten.

Samstag, 18. Juni 2011

Der Container kommt an – und: welche Betten für die Modellklinik Njaba Kunda?

10:00 Uhr: Termin mit dem Bauunternehmer. Dieser  erscheint jedoch nicht, letztendlich trifft er erst gegen 19:00 Uhr (!!) ein… Dazu später mehr. Wir verbringen die meiste Zeit damit, uns Gedanken über den Aufbau der Solaranlage am Büro zu machen. Ein Team von Elektrikern verlegt einen zweiten Stromkreislauf. Es finden verschiedene Gespräche über die korrekte Durchführung statt.

14:00 Uhr: Telefonat mit dem Verantwortlichen im Hafen. Das Schiff ist angekommen, die Container werden gerade abgeladen. Sofern unser Container unter der ersten Charge ist, stellt er in Aussicht, ihn heute noch auszuliefern.

15:30 Uhr: wir erhalten die Information, dass die Auslieferung heute nicht mehr möglich ist. Wir verabreden den Transport des Containers in unser Hauptquartier für Montagmorgen. Wir rechnen mit der Ankunft am Montag zwischen 10:00 Uhr und 11:00 Uhr.

16:00 Uhr: der Mechaniker trifft ein, um sich den Projektwagen anzusehen. Der Fehler ist relativ schnell gefunden. Durch die schlechte Qualität des Diesels ist der Dieselfilter völlig verstopft. Einen Ersatzfilter haben wir nicht. Der Mechaniker wird einen Filter besorgen und ihn morgen, am Sonntag, gegen 10:00 Uhr einbauen.

19:00 Uhr: der Bauunternehmer erscheint. Mit Peter, unserem Architekten und Yayah, unserem Zimmermann, besprechen wir die Arbeiten in Njaba Kunda: der Rohbau ist mittlerweile abgeschlossen. Am Montag werden wir unseren LKW mit Material für die Dächer nach Njaba Kunda schicken.

Ausführlichen diskutieren wir die Sicherheitsaspekte zum Schutze der Solaranlage in der Modellklinik. Wir beschließen, auf die ein Meter hohe Mauer um die wertvollen Solar-Panels  nochmals einen Meter Stacheldraht aufzubringen. Der Zugang wird durch ein verschließbares Tor zusätzlich gesichert.

In der kommenden Woche werden Gespräche mit den Fliesenlegern, den Verantwortlichen für den Einbau der Sanitäranlagen sowie dem Elektriker geführt, um die einzelnen Gewerke abgestimmt durchzuführen.

Die Beschaffung von Sand und Kies bereitet noch immer größere Schwierigkeiten. Momentan ist der Wassertank (16.000 Liter) in der Konstruktion. Das Dorf schafft es nicht, genügend Material heranzuschaffen. Eine kurze telefonische Rücksprache mit dem Vorarbeiter in Njaba Kunda bestätigt dies. Unsere Hauptaufgabe in der kommenden Woche wird daher dahin bestehen, mit der Dorfbevölkerung nochmals intensive Gespräche hierüber zu führen. Unser LKW kann den Kies und den Sand transportieren. Das Gespräch mit dem Vorarbeiter ergibt ebenfalls, dass seiner Meinung nach die Felder zur Zeit noch nicht so intensiv bearbeitet werden. Insofern sollte die Beschaffung von Sand und Kies kein Problem sein. Wir werden versuchen, den Sachverhalt zu klären.

Wir vereinbaren mit dem Bauunternehmer eine Besichtigung in Njaba Kunda für Freitag oder Samstag kommender Woche, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Unsere Zeit hier ist beschränkt. Wir wollen möglichst optimal vorbereitet sein, wenn wir die Solaranlage in der Modellklinik aufbauen.

Der Bauunternehmer zeigt uns Hartfaserplatten, die er als Deckenkonstruktionen einbauen möchte. Sie sind feuerfest und gut isoliert. Getragen werden diese Hartfaserplatten durch eine Konstruktion aus Aluminium: das wäre vorteilhaft gegen Termitefraß. Wir entscheiden uns für den Einsatz dieser Hartfaserplatten.

Wir wählen Boden- und Wandfliesen für die Klinik aus. Speziell die Bodenfliesen müssen eine bestimmte Oberfläche haben: sie dürfen nicht zu glatt sein, um Stürze möglichst auszuschließen.

Ein weiteres Problem: die Konstruktion der Betten für die Klinik. Unsere Idee ist es, eine möglichst wartungsarme Klinik zu bauen: dafür sollen alle Patientenbetten – mit Ausnahme der Geburtsbetten –  gemauert bzw. betoniert werden. Noch wissen wir nicht, wie sich die Matratzen auf den Betten optimal befestigen lassen. Wir beschließen, im Hauptquartier einen Prototypen eines solchen Bettes zu bauen. Dafür werden in der kommenden Woche zwei Maurer von der Baustelle in Njaba Kunda abgezogen, um mit dem deutschen Architekten den Prototypen zu bauen. Dieses wird dann als Beispiel für die weiteren Betten dienen.

Wir hoffen, dass wir den Container am Montag entladen können, sonst wird die Zeit zu knapp.

20:30 Uhr:  Gespräch mit unserem lokalen Chairman. Wir informieren ihn über den Stand der Bauarbeiten in Njaba Kunda und unsere Vorhaben in den kommenden Wochen. Das Gespräch endet gegen 22:00 Uhr.

Sonntag, 19. Juni 2011

Fast ein freier Tag …

Wir lassen es ruhig angehen. Es ist Sonntag. Wir gehen noch einmal die Zeichnungen und Berechnungen für die Gestelle der Solar-Panels durch und nehmen kleine Änderungen vor. Wir berechnen ein weiteres Mal unsere Materialliste und glauben zu wissen, dass wir auf der sicheren Seite sind. Das gibt – speziell in Gambia – immer ein gutes Gefühl.

16:00 Uhr: einstündiges Treffen mit dem Bauunternehmer. Wir wollen die nächste Woche gut vorbereitet angehen.

Montag, 20. Juni 2011

Der Container wird entladen…

08:00 Uhr:  ständige Telefonate wegen des Containers. Wir bekommen einfach keine vernünftigen Informationen. Der allgegenwärtige gambische Satz „Alles kein Problem!“, der auch Einblick in die Lebensphilosophie hier bietet, begleitet uns den ganzen Morgen.

11:00 Uhr: Endlich die Erlösung. Wir bekommen den lange erwarteten Anruf: „Der Container hat den Hafen verlassen!“ Der Container ist auf dem Weg zu uns ins Hauptquartier. Wir warten mit zwölf angeheuerten Hilfsarbeitern. Gestern Abend hatten wir noch versucht, auf die Schnelle einen Gabelstapler zu organisieren. Vergeblich. Also benötigen wir jetzt unzählige Arme, Beine und Muskeln, die den Container entladen.

Mit dem Bauunternehmer haben wir abgemacht, einen Teil der für Njaba Kunda bestimmten Frachtgüter bei ihm zwischenzulagern. Dafür sind wir sehr dankbar, da unser Platz im Hauptquartier sehr beschränkt ist.

Wir lassen den Container auf dem Weg vor unserem Grundstück so aufstellen, dass wir mit unserem LKW direkt an die geöffnete Tür des Containers heranfahren und einen Teil der Fracht ohne größere „Umwege“ direkt auf den Lkw umladen können.

Auch den Motor für unseren Trecker wuchten wir auf den Lkw. In der Werkstatt soll er gleich morgen gegen den kaputten Motor ausgetauscht werden.

Der Rest der Ladung – und das ist das meiste-  muss im Containers von den Paletten genommen und dann einzeln zu den verschiedenen Gebäuden getragen werden.

Die speziellen Batterien für die Solaranlagen sind sehr schwer und können nur von zwei Personen getragen werden. Wir erklären den Helfern, mit größter Sorgfalt zu arbeiten. Wenn ihnen nur eine der Batterien aus den Händen rutscht und auf dem Boden aufschlägt: das würde die gesamte Anlage gefährden!

Die Arbeit selbst läuft uns gut von der Hand. Alle Helfer sind bestrebt, die Teile schnell und sicher zu tragen und zu sortieren. Am Ende haben wir es geschafft, die gesamte Ladung an verschiedenen Stellen des Grundstücks so geordnet zu lagern, dass keine größeren logistischen Probleme mehr auftreten dürften.

17:00 Uhr: verschwitzt und verdreckt bezahlen wir unsere Helfer und gratulieren uns bei einem Bier gegenseitig.

Es scheint, dass alle Teile unversehrt angekommen sind. Das ist natürlich Voraussetzung für den Aufbau der Anlagen. Damit wollen wir morgen beginnen.

Dienstag,  21. Juni 2011

Der Aufbau der ersten Solaranlage…

06:00 Uhr: wir stehen relativ früh auf, irgendwie sind wir nervös. Heute endlich, mit viertägiger Verspätung, wollen wir für unser Office die erste Solaranlage aufbauen: als Probelauf für die große Anlage in Njaba Kunda. Wir wollen hier Erfahrungen sammeln, damit es dort sofort rund läuft.

Zunächst bauen wir einen Prototypen für die Gestelle aus 4 mm Aluminium (L- Profil und Flach). Während wir messen, schrauben und nieten, fallen die ersten Regentropfen. Der Himmel zieht sich zu – wir erwarten heftige Regenfälle, was jedoch glücklicherweise nicht passiert. Wir hätten die Arbeiten im Freien einstellen müssen. Weitere Verzögerungen wollen und können wir uns momentan aber nicht leisten.

Nachdem der erste Prototyp aufgebaut ist, teilen wir uns auf: Rolf kümmert sich um die Batterien und die elektronischen Einheiten, Vasyl und Matthias bauen an den nächsten Gestellen.

Am Ende des Tages ist das gesamte Material für alle Gestelle geschnitten und vorbereitet, die elektronischen Einheiten wie Laderegler und Inverter sind an der Wand befestigt und jeder Einzelne weiß genau, was er zu tun hat. Wir hatten mit mehr Schwierigkeiten gerechnet und sind froh, dass wir heute so weit gekommen sind.

17:00 Uhr: wir hätten sicherlich auch länger gearbeitet, aber jetzt haben wir eine wichtige Besprechung unter anderem mit unserem Elektriker, der für den Einbau der gesamten elektrischen Leitungen und Steckdosen in Njaba Kunda verantwortlich ist.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Aufbau/Tag 2 – und: sind wirklich alle Teile der Anlagen geliefert worden?

Beim Aufbau der Gestelle haben wir festgestellt, dass wir diese an einigen Stellen noch verstärken müssen. Wir feilen daher noch ein wenig an der Konstruktion.

Bei genauer Sichtung der Unterlagen stellt Rolf fest, dass die Anlage offenbar nicht komplett geliefert wurde, zumindest nicht entsprechend der Anleitungen. Er ist zwar der Meinung, dass er hier ein wenig improvisieren kann, möchte dies jedoch zuvor mit dem Lieferanten besprechen. Der zuständige Sachbearbeiter in Deutschland ist trotz mehrmaliger Anrufe nicht erreichbar. Wir schreiben eine E-Mail und hoffen bis spätestens morgen auf eine Antwort mit der Beantwortung der noch offenen Fragen.

Wir füllen die 24 Batterien mit Schwefelsäure und stellen sie im Raum auf. Wir stemmen und bohren Löcher für die Zu- und Ableitungen als Vorbereitung für die Verlegung der Leitungen. Gegen Abend sind alle vier Gestelle verschraubt, auf den ersten beiden befestigen wir die Solar- Panels.

Den ganzen Tag über ist es heiß und sonnig – also genau richtig, um mit Photovoltaik Strom zu erzeugen, aber sehr problematisch für uns blasse  Mitteleuropäer, ohne Schatten unter afrikanischer Sonne zu arbeiten…

Wir beschließen daher, morgen früh schon bei Sonnenaufgang – gegen 7:00 Uhr – anzufangen, um die ersten zwei Stunden bei noch einigermaßen angenehmen 27 ° Grad arbeiten zu können. Glücklicherweise hat es bisher in der Region um die Hauptstadt noch nicht richtig geregnet. Dennoch ist die Luftfeuchtigkeit extrem hoch. Der Regen wird also bald kommen.

Donnerstag, 22. Juni 2011 (Fronleichnam)

Letzte Arbeiten an Solaranlage Nr. 1 – und: ein langer Tag für unseren LKW an der Fähre…

07:00 Uhr: pünktlich beginnen wir mit der Arbeit. Das laute Bohren der Gestelle auf den Beton ist ein Fremdkörper in der normalen morgendlichen Geräuschkulisse aus Kindergeschrei, Hundegebell, dem Klappern von Kochgeschirr und dem Zuschlagen von Autotüren.

Auf den letzten zwei Gestellen befestigen wir jeweils acht Solar-Panels. Damit sind wir gut drei Stunden beschäftigt.

09:00 Uhr: es ist vorbei mit der Herrlichkeit des kühlen gambischen Morgens. Die Sonne lässt die Temperaturen unaufhaltsam steigen.

Bei der Verkabelung der Paneele stellen wir erneut fest, dass notwendiges Material fehlt. Immer wieder sind es diese Kleinigkeiten, deren Beschaffung uns in Gambia unglaubliche Zeit kostet. Während man in Deutschland selbst in einem schlecht ausgestatteten Baumarkt alles für das häusliche Werkeln kaufen kann, muss man hier in Gambia viele kleine Shops abklappern, bis man fündig wird. Insgesamt machen wir uns heute viermal auf den Weg, um solche Kleinigkeiten zu besorgen. Teilweise dauert das Stunden.

Zwischendurch wird die Arbeit immer wieder von Anfragen unterbrochen. Mitarbeiter in Jahaly beantragen Vorschüsse, um Saatgut in der bevorstehenden Regenzeit auszubringen. Schecks für die monatlichen Gehälter sind zu unterschreiben, Fotos und Berichte müssen nach Deutschland verschickt werden und vieles mehr.

11:00 Uhr: Der Bauunternehmer fordert endlich unseren LKW an, der beladen mit Zement und Material für den Dachbau nach Njaba Kunda fahren soll. Zuvor verschweißen wir noch zusätzlich die Ummantelung der Batterie – aus Sicherheitsgründen…

Bei dem Versuch, die Zulieferer-Firma der Solaranlagen in Deutschland anzurufen, stellen wir fest, dass heute in Deutschland Feiertag ist. Trotz intensiver Überlegung fällt uns nicht ein, um welchen Tag es sich handelt. Außerdem funktioniert das Internet mal wieder nicht – also werden die offenen Fragen erst morgen geklärt.

15:00 Uhr: uns erreicht ein Anruf, dass der LKW immer noch an der Fähre in Banjul wartet, um auf das Nordufer des Gambia-Flusses – die Nordbank – überzusetzen. Auf der Nordbank liegt Njaba Kunda. Wir haben Papiere für eine bevorzugte Abfertigung – trotz dieser „priority“ lassen die Verantwortlichen den LKW nicht auf die Fähre. Wir telefonieren mit dem Bauunternehmer: er will sich darum kümmern.

16:00 Uhr: mit viel Improvisationsgeschick sind am Nachmittag die Solar-Panels verkabelt und produzieren Strom. Wir lassen sie aber noch abgedeckt: jetzt sie müssen an die elektronische Regelungseinheit angeschlossen werden.

Trotz aller Mühe schaffen wir es aber nicht, die Anlage heute komplett in Betrieb zu nehmen. Ein kleiner Rückschlag in unserer Planung. Wir müssen umdisponieren. Wir entscheiden, dass Rolf sich morgen, Freitag, in aller Ruhe um die Elektronik und die Inbetriebnahme kümmert. Der Raum, in dem die Batterien stehen, heizt sich übrigens immer weiter auf – mehr als 34 Grad. Vasyl wird Vorbereitungen für den Aufbau der zweiten Anlage in Njaba Kunda treffen . Matthias fährt mit dem Bauunternehmer und Peter, dem deutschen Architekten, nach Njaba Kunda, um sich dort ein Bild von der aktuellen Situation vor Ort zu verschaffen.

19:30 Uhr: Anruf des LKW-Fahrers an der Fähre: nichts hat sich bisher getan, er steht seit fast acht Stunden vor der Fähre und bittet um weitere Anweisungen. Erneute Rücksprache mit dem Bauunternehmer. Der wird sich jetzt persönlich zur Fähre begeben, um die Sache zu klären.

Wir machen in nochmals darauf aufmerksam, dass der Zement auf der offenen Ladefläche des LKW ungeschützt ist. Es kann ab jetzt jederzeit regnen. Wir rechnen täglich damit.

Ein Abendessen in einem libanesischen Restaurant rundet den Tag ab und gibt Kraft für die kommenden Aktionen.

Wird auch die große Solaranlage in Njaba Kunda funktionieren?

Schafft es die Dorfbevölkerung in Njaba Kunda, genug Sand und Kies herbeizuschaffen?

Werden die Dächer des Rohbaus rechtzeitig gedeckt, bevor der große Regen kommt?

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©2011 Projekthilfe Gambia e.V.

Fotogalerie Tagebuch Teil 1

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Die drei von der Solaranlage: Matthias Ketteler, Vasyl Petrenko und Rolf Kuhlemann
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Der Container wird in Gambia entladen.
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Der Container ist bis unter das Dach voll mit Materialien für die Baustelle der Modellklinik Njaba Kunda.
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Besondere Vorsicht ist bei den schweren Batterien für die beiden Solaranlagen geboten. Sie dürfen nicht beschädigt werden.
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Beim Austauschmotor für den Traktor des Projektes sind viele helfenden Hände und Muskeln notwendig…
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Vorsichtig werden die schweren Batterien für die Solaranlagen zum Zwischenlager transportiert.
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Geschafft! Der Container ist entladen.
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Ein Teil der Baumaterialen wird mit unserem LKW zum Hof des Bauunternehmers gebracht und dort zwischengelagert.
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Aufbau der Gestelle für die Solarpanels.
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Die Gestelle für die Solarpanels hinter dem Projektbüro in Manja Kunda.
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Matthias Ketteler, Amadou Fofana und Zimmermann Yayah befestigen die Solarpanels auf den Gestellen.
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Matthias Ketteler und Amadou Fofana
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Befestigung der Solar-Panels auf den Gestellen.
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Matthias Ketteler, Rolf Kuhlemann, Vasyl Petrenko und Amadou Fofana befüllen die 24 Batterien der Solaranlage mit Schwefelsäure.
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Rolf Kuhlemann montiert Laderegler und Inverter der Solaranlage.

Video: Eröffnung Njaba Kunda Health Centre (2012)

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Ulfert

Filmmaker, Journalist, Freelancer, Video Journalist

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